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Wann kommt der Bitcoin ETF?

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Zusammengefasst: wahrscheinlich nicht in naher Zukunft. Auch wenn einzelne Marktteilnehmer eine an sich ausreichende Selbstregulierung vorschlagen, ist laut SEC deren Einfluss zu klein um von einem regulierten Markt sprechen zu können.


Warum ist ein Bitcoin ETF überhaupt von Bedeutung?

Um in den Besitz von Kryptowährungen zu gelangen, sind nach wie vor eine Reihe von Vorkehrungen zu treffen. Herkömmliche Finanzmarktprodukte auf Kryptowährungen stehen daher grundsätzlich unter Verdacht, sich positiv auf den Preis von Kryptowährungen auszuwirken, da sie neuen Käuferschichten über klassische Wege Zugang zum Kryptomarkt verhelfen.

So hatte beispielsweise die Einführung des Handels von Bitcoin-Futures im Winter 2017 an der weltweit größten Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME) einen entscheidenden Einfluss auf die Endjahres-Rallye 2017 von zunächst Bitcoin und anschließend fast allen weiteren Kryptowährungen.

Der Handel von Future-Kontrakten sieht jedoch keine realen An- und Verkäufe der zugrundeliegenden Kryptowährung vor, sondern ist eine parallel laufende Wette auf den weiteren Kursverlauf des Basiswerts (etwa Bitcoin). Der Kursverlauf des Future-Kontrakts verläuft außerdem nicht 1:1 wie der seiner Basisprodukte, sondern in Abhängigkeit seines Hebels „Leverage“.

Was ist ein ETF und was sind die Anliegen der Börsenaufsicht? 

Anders verhält es sich bei einem ETF (Exchange Traded Fund). Ein ETF ist ein Investmentfond, der die Kursverläufe seiner Basiswerte stets 1:1 abbildet. Die Depotbank kauft und verwahrt die entsprechenden Basiswerte entsprechend der ausgegebenen ETF-Wertpapiere. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer physischen Replikation. Dadurch steigt die Nachfrage der Basiswerte.

Wie der Name bereits verrät, wird ein ETF als eigenes Wertpapier an der Börse gehandelt und fällt damit in den Machtbereich der Börsenaufsicht. Soll ein neuer ETF geschaffen werden, muss ein entsprechender Antrag bei der Börsenaufsicht eingereicht werden, der dann von einer internen Kommission überprüft und im Rahmen einer Entscheidung genehmigt oder abgelehnt wird.

Während Entscheidungen der Börsenaufsicht bei Anträgen mit Aktien oder Indizes als Basiswert weitgehend vorhersehbar sind, steht die Börsenaufsicht bei Kryptowährungen als Basiswerten vor nie dagewesenen Fragestellungen.

Die Krux mit den Kryptos

Kryptowährungen werden nicht von Notenbanken ausgegeben und sind keine staatlich ausgegebenen („FIAT“-) Währungen. Insofern unterstehen diese keiner Behörde oder sonstiger Organisation. Analog unterstehen auch Handelsplattformen für Kryptowährungen nicht der Börsenaufsicht. Greift also ein ETF in irgendeiner Form auf die Preisfindung der Krypto-Börsen zurück, sei es als Referenzwert oder als realer Handelspreis, ist dieser Vorgang nicht von der Kontrolle der Börsenaufsicht abgedeckt.

Bedenken der Börsenaufsicht

Bislang wurden sämtliche Anträge auf einen Bitcoin oder Kryptowährungs-ETF abgelehnt. Die US-Amerikanische Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Comission) sah sich nach einer Serie von Anträgen gezwungen, einen groben Anforderungskatalog zu erstellen, der die ihrer Auffassung nach wesentlichsten der offenen Fragen zu Papier bringt. Diese lauten sinngemäß wie folgt:

  1. Bewertung des Wertpapiers: ETFs müssen ihre Vermögenswerte jeden Werktag bewerten, um einen sogenannten Nettoinventarwert (NAV) zu ermitteln. Der Nettoinventarwert ist von der Depotbank täglich zu berechnen und wird auf die Fondsanteile umgelegt. Die SEC wirft nun die Frage auf, ob angesichts der Volatilität von Kryptowährungen, der Fragmentierung und der mangelnden Regulierung der zugrunde liegenden Märkte eine Bestimmung der Vermögensgegenstände überhaupt möglich ist.
  2. Liquidität: ETFs müssen über eine ausreichende Liquidität verfügen, um täglich Rückkäufe tätigen zu können. Die SEC fragt, welche Maßnahmen die Depotbanken ergreifen würden, um sicherzustellen, dass sie über genügend Liquidität verfügen, um Rückkäufe vorzunehmen.
  3. Verwahrung: Die Depotbanken müssen die Verwahrung der Vermögenswerte sicherstellen. Fraglich ist für die SEC, wie die Verwahrungsanforderungen erfüllt werden könnte, bzw. wie eine Depotbank die Existenz, den Besitz und die Funktionalität von privaten Schlüsseln gewährleisten und sicherstellen würde und inwieweit Cybersicherheitsbedrohungen die Verwahrung von Vermögenswerten beeinträchtigen können.
  4. Arbitrage: Ein ETF muss einen Marktpreis haben, der nicht wesentlich von seinem Nettoinventarwert abweicht. Laut SEC muss geklärt werden, wie ETFs angesichts der Fragmentierung, Volatilität und des Handelsvolumens des Kryptowährungsmarktes reagieren werden und wie sich der volatilitätsbasierte Handel an einem Terminmarkt auf die Arbitrage auswirken würde. Auch ist fraglich, wie sich die Schließung eines Krypto-Austauschs auf den Terminmarkt auswirken würde.
  5. Manipulation: Kryptowährungsmärkte haben einen wesentlich geringeren Anlegerschutz als Wertpapiermärkte, mit größeren Möglichkeiten für Betrug und Manipulation. Kritisch ist hier für die SEC, ob der ETF auch für Privatanleger geeignet sein soll, oder rein für institutionelle Investoren. Besonders wichtig ist die Fragestellung, ob Anleger genügend Informationen haben, um die der Blockchain intrinsischen Risiken zu verstehen.

Wie unterscheiden sich die ETF-Anträge voneinander?

Die bislang bei der SEC in Erscheinung getretenen Anträge bezüglich Bitcoin-ETFs lassen sich grob in zwei Gattungen unterteilen. Die erste Gattung sieht Bitcoin-Derivate als Basiswert vor, also etwa die oben erwähnten Bitcoin Futures, oder auch Optionen, Swaps und andere Finanzmarktprodukte. Die zweite Gattung bildet einen ETF, der „physikalisch“ Bitcoin hält.

Wie steht es um die Erfolgsaussichten von Bitcoin-Derivate-ETFs ?

Derartige ETFs kaufen ebenfalls die Basiswerte. Diese sind nun eben nicht etwa Bitcoin, sondern Future-Kontrakte auf Bitcoin. Vorgeschlagen wurde dies in der Vergangenheit zum Beispiel von ProShares, GraniteShares und Direxion.

Für die Bewertung des Wertpapiers gemäß Punkt 1 der SEC-Anforderungsliste muss zunächst ein Referenzwert ermittelt werden, da der Future-Kontrakt irgendwie mit dem Marktpreis gekoppelt werden muss.

Die oben erwähnte Terminbörse CME hat – für den Future-Kontrakt; dem Basiswert – den sogenannten CME CF Bitcoin Reference Rate (BRR) Wert entwickelt, der unter anderem eine eben solche Preisbewertung von Finanzprodukten auf Basis von Bitcoin ermöglichen soll. Wie in der beispielhaften Abbildung unten dargestellt, entspricht der BRR einem Mittelwert der Handelspreise mehrerer Krypto-Handelsplätze, in dem Fall Bitstamp, BTC-e und Bitfinex. Mittlerweile sind laut CME auch die Handelsplätze Coinbase, itBit and Kraken im BRR mit abgebildet.

cmegroup.com

Der einzelne Future-Kontrakt orientiert sich demnach an einem Mittelwert aus mehreren unregulierten Kryptobörsen. Der BRR wird für die Berechnung des Net Asset Values (NAV) herangezogen. Eine Bewertung des ETF-Wertpapiers wäre entsprechend abhängig von allen berücksichtigten – unregulierten – Krypto-Börsen.

Die Liquidität gemäß Punkt 2 könnte problematisch sein. Future-Kontrakte sind Hebelinstrumente und müssen stets mit einer Sicherheitsleistung gedeckt sein, die leicht ein Vielfaches des anfänglichen Kaufpreises beträgt. Entwickelt sich der Kurs in eine ungünstige Richtung, ist die Sicherheitsleistung irgendwann aufgebraucht. Die Bank (des Terminkontrakts) fordert dann weitere Geldmittel ein bzw. ordnet bei nicht ausreichender Menge einen Margin Call an, wodurch der Terminkontrakt zwangsliquidiert wird.

Im Ergebnis müsste die Depotbank des ETFs stets ein Vielfaches der anfänglichen Kaufpreise bei der Bank des Terminkontrakts einzahlen und zusätzliche Geldmittel vorrätig halten. Sowohl die Marktvolatilität von Kryptowährungen als auch der gehebelte Handel von Terminkontrakten erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall eintritt.

Verwahrung gemäß Punkt 3 ist unproblematisch. Terminkontrakte sind, sofern auf staatlich regulierten Terminbörsen gehandelt, als legitime Finanzprodukte gesetzlich ausreichend abgesichert.

Fraglich ist, ob die Arbitrage-Grenzwerte gemäß Punkt 4 der Anforderungsliste eingehalten werden können. Der Kurs eines Future-Kontrakts ist in der Regel zwar synchron zum tagesaktuellen Preis seines Basiswertes, unterliegt aber grundsätzlich der freien Preisbildung aus Angebot und Nachfrage.

Weicht allerdings der Kurs zwischen Basiswert und Future-Kontrakt ab, eröffnen sich auf dem Terminmarkt Chancen für praktisch risikofreie Handelsgeschäfte, wodurch Abweichungen systemisch korrigiert werden. Im Ergebnis ist zu erwarten, dass der Future-Preis und der Preis seines Basiswertes nicht wesentlich divergieren werden, sofern ein ausreichendes Handelsvolumen an der Börse vorliegt.

Die SEC spricht im Zusammenhang mit Arbitrage auch Risiken an, die etwa aus den unterschiedlichen Laufzeiten von Futures und ETF-Wertpapieren erwachsen. Beispielsweise muss verhindert werden, dass die Position am Laufzeitende glattgestellt und in einen neuen Kontrakt überführt wird, da sie andernfalls geschlossen wird.

Fraglich ist, welche Auswirkungen eine automatische Übertragung, das sogenannte „Rollover“, auf den Käufer des ETF-Wertpapiers hat. Es müsste sichergestellt werden, dass falls zum Zeitpunkt des Rollovers ein Futures-Preis höher ist als der Spot-Preis (der Contango-Effekt), dem Kunden dadurch keine unvorhergesehenen Kosten entstehen.

Manipulation gemäß Punkt 5 der oben genannten Liste ist schwieriger zu beantworten. Eine Manipulation des Terminkontrakts an sich kann ausgeschlossen werden, sofern sich der Terminhandel auf staatlich überwachte Terminbörsen beschränkt. Kursmanipulationen am Basiswert des Terminkontrakts können jedoch aufgrund des Leverage-Effekts schnell extreme Auswirkungen auf den Kurswert des ETF-Wertpapiers haben.


Termin-Kontrakt basierte Bitcoin ETFs setzen sich zwar aus regulierten Einzel-Kontrakten zusammen, vererben allerdings sämtliche Bitcoin-typische Handelsrisiken an den ETF weiter. Hinzu kommt, dass sich durch den Leverage-Effekt Manipulationen auf den Krypto-Börsen erheblich auf den Kurswert des ETF-Wertpapiers durchschlagen können.


Wie steht es um die Erfolgsaussichten von „physikalischen“ Bitcoin-ETFs?

Unter einem ETF mit „physischem“ Bitcoin als Basiswert wird schlicht ein ETF verstanden, der anteilsmäßig zu seinen gehandelten Wertpapieren eine entsprechende Anzahl von Bitcoin hinterlegt. Ein Bitcoin kann selbstverständlich nicht als physikalisch greifbare Einheit betrachtet werden. Gemeint ist, dass die betreffenden Bitcoins auf Blockchain-Adressen gelagert werden, zu welchen nur die Depotbank Zugang hat.

Da es sich bei einem ETF um einen börsengehandelten Fond handelt, werden neue ETF-Wertpapiere von einem Finanzinstitut ausgegeben. Normalerweise kauft dieses Institut schlicht die Basiswerte an der Börse ein. Im Falle von Bitcoin müsste dieses Institut allerdings einen Umweg gehen.

Wie beispielsweise in dem unten erläuterten SolidX-Antrag geschildert, könnte das folgendermaßen ablaufen:

Wenn der ETF neue Wertpapiere seines Fonds erstellen möchte, wendet er sich an ein Finanzinstitut (AP). Dieses Finanzinstitut schüttet dann die entsprechenden (Geld)-Werte an den ETF aus. Es sendet sogenannte Geldkörbe an den ETF, der davon wiederum Bitcoin kauft. Im letzten Schritt gibt der ETF zu gleichen Teilen ETF-Wertpapiere an das Finanzinstitut zurück.

Über diesen Umweg könnte also eine Brücke zwischen klassischen Börsen und Börsen für Kryptowährungen geschlagen werden.

Zur Einschätzung des ETF

Die Bewertung des Wertpapiers müsste sich nach einem standardisierten Bitcoin Spot-Preis richten und es müssten feste Handelszeiträume definiert werden. Der Handel könnte etwa auf eine oder mehrere spezielle Börse beschränkt werden. Aufgrund der Volatilität des Bitcoin-Markts könnten ferner Intraday-NAV-Messungen erforderlich werden.

Liquidität ist unproblematisch, da keine Hebelprodukte eingekauft werden, sondern lediglich der physische Wert. Dieser kann praktisch jederzeit gegen den aktuellen Spot-Preis gehandelt werden. Allenfalls könnte das Handelsvolumen der Krypto-Börse so gering sein, dass der erzielbare Preis durch den Handel beeinflusst wird.

Ein großes Problem könnte die ausreichend gesicherte Verwahrung von Bitcoin sein. Wie für die meisten Blockchains typisch, bedarf es für eine Transaktion keine weitere Verifizierung außer eines privaten Schlüssels, der zu einer bestimmten Adresse gehört. Anders als etwa bei Überweisungen sind Mittelsmänner, etwa eine Bank, für eine Blockchain Transaktion nicht notwendig. Transaktionen können nicht storniert oder rückgängig gemacht werden, da die Blockchain nur die technische Plausibilität der Transaktion überprüft. Entsprechend riskant ist die Lagerung derartiger Schlüssel.

Mit einer Manipulation des Basiswerts muss tatsächlich gerechnet werden. Die Auswirkungen sind bei ETFs mit physikalisch hinterlegten Bitcoin deutlich geringer als bei der ETFs mit Bitcoin-Derivaten, da hier keine Hebelprodukte gehandelt werden und Margin-Calls nicht eintreten können. Aufgrund des weltweiten Handels von Bitcoin ist es unmöglich, der Manipulation Einhalt zu gebieten, solange nicht alle Krypto-Börsen einheitlich reguliert sind.

Denkt man an dezentral organisierte Krypto-Handelsplätze, also Börsen ohne konkreten Server-Standort, wird schnell klar, dass eine einheitliche Regulierung utopisch ist. Man könnte hingegen argumentieren, dass Marktmanipulation als eine Art „intrinsisches“ Risiko zu verstehen ist, dessen sich Käufer eines derartigen ETFs bewusst sein müssen.


Geht man davon aus, dass die Verwahrung von Bitcoin abgesichert werden kann, bleibt das Risiko der Marktmanipulation auf den Krypto-Märkten. Da es sich in dem Fall des physikalisch hinterlegten Bitcoin-ETF um ein recht durchschaubares Produkt handelt, könnte man argumentieren, dass dem Käufer des ETFs die Risiken des Krypto-Markts in seiner Kaufentscheidung bereits berücksichtigen wird.


Wie ist die Stimmung bei der SEC?

Dissens von Frau Peirce: der Antrag „Bats & Winkelvoss“

Die für Kryptowährung-ETF zuständige Kommission der US-Börsenaufsicht setzt sich aus vier Beauftragten zusammen, die zu einer mehrheitlichen Entscheidung kommen müssen. Während in den vergangenen Jahren sämtliche ETF-Anträge routiniert einstimmig abgeschmettert wurden, kam es im Sommer 2018 zu einem beachtenswerten Vorfall. Die Beauftragte Hester M. Peirce hat in dem betreffenden Fall nicht nur gegen ihre drei Kollegen gestimmt, sondern sich zudem im Anschluss an die Entscheidung in einer Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt.

In dem konkreten Sachverhalt beantragte die Bats BZX Exchange sinngemäß, die gesetzliche Regeln des Securities Exchange Act von 1934 („Exchange Act“) dahingehend anzupassen, dass die Börse in der Lage sei, Wertpapiere des Winklevoss Bitcoin Trust on Bats BZX Exchange, Inc. zu listen und zu handeln. Hierzu reichte BATS einen umfassenden Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung von Manipulation nach börsenüblichen Standards ein. Parallel reichte der Winkelvoss Bitcoin Trust einen entsprechenden ETF-Antrag ein.

Die Börsenaufsicht lehnte den Antrag auf Regeländerung ab und argumentiert, dass der BZX keine Überwachungsvereinbarungen mit einem oder mehreren regulierten Märkten von erheblicher Größe auf dem Bitcoin-Spotmarkt habe. Mit anderen Worten: „mag sein, dass Eure Standards ausreichend sind; die übrigen Bitcoin-Märkte sind aber viel bedeutender als Ihr und die sind alle nicht reguliert [und damit diktieren sie Euch den Preis]“.

Dieser Schlussfolgerung widerspricht Frau Peirce. Sie äußert sinngemäß, dass die Argumentation der Kommission an der Sache vorbei gehe. Es stehe nicht zur Debatte, wie der zugrundeliegende Spotmarkt zu beurteilen ist, sondern es gehe allein um die Beurteilung der Fähigkeit von Bats, unlautere Diskriminierung zwischen Kunden, Emittenten, Brokern oder Händlern zu unterbinden. Dies ist laut Hester M. Peirce gegeben, wodurch eine entsprechende Regeländerung zu befürworten sei. Sie führt weiter aus, dass die Kommission über des Ziel, Marktteilnehmer vor Manipulation zu schützen, hinausschieße und Gefahr laufe, Innovationen zu unterbinden. Es sei nicht Aufgabe der Kommission ganze Märkte zu beurteilen. Die Mission der Kommission, so Peirce, bestand und sollte es auch weiterhin sein, dafür zu sorgen, dass die Anleger über die Informationen verfügen, die sie benötigen, um ihre Geschäfte zu tätigen. Kurz darauf wurde auch der Antrag des Winkelvoss Bitcoin Trust abgelehnt.

Erneute Überprüfung von neun Anträgen

In einer überraschenden Meldung hat die SEC Ende August 2018 mitgeteilt, dass sie neun zuvor abgelehnte Anträge erneut überprüfen wird. Es handelt sich hierbei um Anträge betreffend ETFs mit Bitcoin-Futures als Basiswert, also ETFs der erstgenannten Gattung. Genauer gesagt handelt es sich um die Anträge von ProShares (2 Anträge), GraniteShares (2 Anträge) und Direxion (5 Anträge).

Die zuvor geschilderten Vorkommnisse haben in der Medienlandschaft zu teils großen Hoffnungen auf einen Bitcoin ETF geführt. Zumindest die erneute Überprüfung der Anträge ist allerdings eine reine formale Angelegenheit. Man könnte mutmaßen, dass die SEC nach der Kritik aus eigenen Reihen versucht, ihre Entscheidungen mit nachvollziehbareren und konsistenteren Begründungen zu untermauern.


Trotz vereinzelter Richtungsänderungen ist es fraglich, ob sich eine Trendwende in den Entscheidungen der SEC abzeichnet. In jedem Fall ist der wachsende Dialog zwischen der US-Börsenaufsicht und den Antragstellern zu begrüßen.


Wird der VanEck SolidX Bitcoin Trust „XBTC“ Antrag genehmigt?

Der vielversprechendste Antrag auf einen Bitcoin ETF ist der am 5. Juni 2018 bei der SEC eingereichte Antrag namens „VanEck SolidX Bitcoin Trust“. VanEck, eine Investmentbank und SolidX, eine Technologiefirma im Finanzsektor, haben gemeinsam einen ETF beantragt, der auf physisch hinterlegte Bitcoin gestützt ist. Es war von Beginn an vorgesehen, die Wertpapiere des Trusts auf der Cboe BZX Exchange zu listen und zu handeln. Die Vorgehensweise gleicht jener wie im Fall „Bats & Winkelvoss“. Im vorliegenden Fall beantragt Cboe eine Regeländerung des Börsengesetzes dahingehend, dass sie das Wertpapier „XBTC“ des SolidX ETFs handeln darf.

Der Antrag von VanEck und SolidX gilt als besonders detailliert und ausgereift und zeigt interessante Lösungen für physikalisch hinterlegte Bitcoin-ETF auf, nämlich:

Zu Punkt 1 Bewertung schlägt der Antrag vor, den in Echtzeit auf US-Dollar lautenden Referenzindex MVBTCO heranzuziehen. „Der MVBTCO berechnet den Intraday-Preis von Bitcoin alle 15 Sekunden, einschließlich eines „Schlusskurses“ ab 16:00 Uhr E.T.“ Es wird angeführt, dass „die Logik, die für die Ableitung des Tagesabschlussindexniveaus für den MVBTCO verwendet wird, darauf abzielt, die tatsächlichen Geld-/Briefdaten zu analysieren, den Datensatz zu verifizieren und zu verfeinern und einen objektiven, fairen Marktwert von einer Bitcoin ab 16:00 Uhr E.T. pro Werktag zu ermitteln, der in US-Dollar angegeben ist.“

Wie zuvor angeführt, sind bei einem ETF mit physisch hinterlegten Bitcoin die Aspekte „Liquidität“ gemäß Punkt 2 und „Arbitrage“ gemäß Punkt 4 nicht von wesentlicher Bedeutung.

Zu Punkt 3, nämlich Verwahrung, schlägt der Antragsteller eine Versicherung der gekauften Bitcoins vor. Genauer gesagt möchte der Trust eine von verschiedenen Versicherungsgesellschaften übernommene Versicherung installieren, mit dem Zweck, die Aktionäre vor Verlust oder Diebstahl der Bitcoin des Trusts zu schützen. Darin inbegriffen wäre neben Diebstahl auch Verlust durch Zerstörung, Verlust von Bitcoin auf dem Transport, durch Computerbetrug und anderweitige Verluste der privaten Schlüssel, die für den Zugang zu der vom Trust gehaltenen Bitcoin notwendig sind.

Dem Aspekt der Manipulation gemäß Punkt 5 begegnet der Antrag damit, dass mit Börsen gehandelt werden soll, die bereits staatliche Lizenzen von der NYDFS erhalten haben wie etwa die BitLizenz oder Autorisierungszertifikate. Letztgenannte Lizenzen und Zertifikate sind Regulatorien, die Kryptobörsen etwa dazu zwingen, Identitäten der Handelstreibenden aufzunehmen, Transaktionsvolumina einzugrenzen und Geldwäsche insgesamt zu bekämpfen. Der Antrag bringt auch zum Ausdruck, dass keine weiteren gesetzlichen Möglichkeiten zur Eingrenzung von Manipulation existieren. An dieser Stelle schließt sich der Kreis mit dem Antrag der Cboe Exchange, der eine entsprechende Gesetzesänderung beantragt. Diese soll bis zum 30. September 2018 entschieden werden.

Der VanEck SolidX Antrag begegnet dem Käuferschutz zusätzlich dadurch, dass die kleinste handelbare Größe seines ETF-Wertpapiers ein Volumen von 25 Bitcoin umfassen soll, wodurch Kleinanleger von vornherein ausgeschlossen werden sollen.


Dass in dieser Sache eine positive Entscheidung zur geschilderten Regeländerung getroffen wird, ist unwahrscheinlich. Spannend bleibt aber, ob und inwieweit die SEC nach der Kritik von Frau Peirce ihre Argumentation verändern wird. Dies wird für zukünftige ETF-Anträge der wesentliche Mehrwert sein.


Schlussfolgerung

Es gibt durchaus positive Entwicklungen. Insbesondere ist zu erkennen, dass sich die Anliegen der SEC und die Merkmale der Anträge weiter annähern. Das ist nicht zuletzt dadurch möglich geworden, dass die SEC ihre Grundbedenken beim Namen genannt hat.

Man kann durchaus behaupten, dass die Antragsteller alles in Ihrer Macht stehende versuchen, um der SEC entgegenzukommen. Allerdings scheiterte es bis zuletzt daran, dass aus Sicht der SEC der Krypto-Markt schlicht zu unreguliert und für den Anleger in ein Finanzprodukt als zu gefährlich erscheint.

Was sich ändern müsste, um die Sichtweise der SEC zu ändern, bleibt offen. Vermutlich liegt die Antwort in einer Krypto-Markt übergreifenden (Selbst)-Regulierung; zumindest der Krypto-Börsen mit dem stärksten Handelsvolumen. Von derzeitigen Maßstäben ausgehend wäre die Genehmigung eines Bitcoin-ETFs eine gewaltige Überraschung.


Nachtrag vom 9. Oktober 2018: Neue Deadline für SolidX-Entscheidung

Wie zuvor erwählt sollte die Entscheidung über den Vorschlag bis zum 30. September 2018 gefällt werden. Diese Frist wurde von der SEC verlängert. Die SEC kündigte an, dass sie mehr Zeit brauche, um eine Entscheidung über den VanEck-SolidX Bitcoin ETF zu treffen. Sie setzte den 29. Dezember 2018 als neue Frist fest.

Nach amerikanischem Börsengesetz muss die SEC bis zum 29. Dezember 2018 eine weitere Ankündigung machen. Sie könnte die Frist erneut um weitere 60 Tage auf den 27. Februar 2019 verschieben. Dies wäre die absolute Endfrist für eine Entscheidung.

Quelle: Jake Chervinsky, ein amerikanischer Anwalt (Associate in der Kanzlei Kobre & Kim)

 


 

Von Team BTCP.de, 28. September 2018 info@btcp.de

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